Viskose

Viskose ist zwar eine Chemiefaser, verfügt jedoch über die robusten und tragefreundlichen Eigenschaften natürlicher Fasern. In der Beschaffenheit ist Viskose Seide, Baumwolle und Wolle sehr ähnlich und wird daher gerne mit diesen Materialien vermischt oder als deren Ersatz verwendet. Viskose ist leicht wie Seide und doch saugfähiger als Wolle oder Baumwolle. Sie fusselt nicht, ist atmungsaktiv und eignet sich daher besonders für Menschen mit Neurodermitis und Allergiker. Als Textil kommt Viskose für Bekleidung und Heimtextilien, aber auch für medizinische und hygienische Produkte zum Einsatz. Da für die Produktion von Viskose weniger Anbaufläche, Dünger, Wasser und Pestizide gebraucht wird, werden Viskosefasern inzwischen als gute Alternative zur umweltbelastenden Baumwolle diskutiert, allen voran die Varianten Tencel und Modal.

Materialeigenschaften

Viskose ist eine robuste, zellulosische Chemiefaser. Zwar ist der Ausgangsstoff die pflanzliche Zellulose, die zumeist aus Holz gewonnen wird, die Weiterverarbeitung erfolgt aber über das chemische Viskoseverfahren. Je nach Art der verwendeten Rohstoffe und der chemischen Veredelung kann Viskose in Aussehen und Beschaffenheit unterschiedlich sein. Es kann die Optik und Haptik von Seide, Baumwolle oder Wolle haben und wird auch gerne Kunstseide genannt. Andere Varianten sind Modal oder Tencel.

Typisch für Viskosestoffe sind ihre Leichtigkeit und ihr fließender Fall. Da Zellulose den Rohstoff dieser Faser bildet, ist Viskose in ihrer Beschaffenheit der Baumwolle sehr ähnlich und kann bis zu einem gewissen Grad die Baumwolle ersetzen bzw. mit ihr verarbeitet werden. Die Faser hat aber auch große Unterschiede zur Baumwolle: Viskosegewebe kann bis zu 400 % seines Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen. Damit ist es weitaus saugfähiger als Baumwolle oder andere vergleichbare Gewebe. Nicht ohne Grund werden deshalb auch Hygieneprodukte, Schwämme oder Wattestäbchen aus Viskosefasern hergestellt. Durch ihre starke Saugfähigkeit nimmt sie Farben sehr gut an und lässt sich daher viel einfacher färben und bedrucken als Baumwolle. Deshalb werden Viskosefasern auch im Papier von Banknoten verarbeitet. Ebenso gut wie Viskose Feuchtigkeit aufnimmt, gibt sie sie auch wieder ab. Das macht sie zu einem unglaublich atmungsaktiven Textil, das sich wunderbar angenehm auf der Haut anfühlt. Damit eignet sich Viskose perfekt für Sommerkleidung und Bettwäsche und ist auch für Allergiker eine gute Alternative zu herkömmlichen Baumwollstoffen, da sie so gut wie gar nicht fusselt und aufgrund ihrer anti-statischen Eigenschaft kaum Staub anzieht. Allerdings ist die Viskosefaser im Gegensatz zur Baumwolle weniger elastisch, sondern hat Ähnlichkeit mit der Pflanzenfaser Leinen. Stoffe aus Viskose neigen deswegen leicht zum Knittern und sollten nach dem Waschen immer wieder in Form gebracht werden.

Pflegehinweise

Textilien aus Viskose lassen sich leicht pflegen und trocknen schneller als Baumwollstoffe. Allerdings vertragen Viskosestoffe keine hohen Waschtemperaturen oder die Trocknung im Wäschetrockner. Wie bei allen Textilien hält man sich bei der Pflege am besten an die Pflegehinweise auf dem Waschzettel. Ist kein Etikett vorhanden, kann man sich grob nach folgenden Hinweisen richten:

  • Viskosestoffe können problemlos in der Maschine gewaschen werden.
  • Man sollte Viskose bei maximal 40 Grad Celsius im Schonwaschgang und mit einem Flüssigwaschmittel waschen. Waschpulver neigen dazu, Rückstände im Gewebe zu hinterlassen und es stumpf zu machen.
  • Ein Weichspüler ist aufgrund der weichen Gewebeeigenschaft von Viskose nicht nötig.
  • Immer getrennt von groben Stoffen wie Jeans oder Textilien mit Reißverschluss waschen und die Maschine nur zu einem Drittel füllen, um den Viskosestoff nicht zu beschädigen.
  • Auch sollte man Viskose in der Maschine nur kurz schleudern, da zu langes Schleudern dem Stoff ebenfalls schadet. Viskose kann im nassen Zustand leicht reißen oder abreiben.
  • Zum Trocknen zupft man die Viskosekleidung zurecht, ohne sie langzuziehen und hängt sie tropfnass auf, am besten auf einen Bügel. Aufgrund der atmungsaktiven Eigenschaften von Viskose trocknen die Textilien auch an der Luft recht schnell.
  • Auf keinen Fall den Stoff auswringen, auf die Heizung legen oder gar in den Trockner geben. Viskose ist nass empfindlich und neigt zu starkem Einlaufen bei hohen Temperaturen.
  • Da Viskose zum Knittern neigt, muss Kleidung meistens gebügelt werden. Die besten Ergebnisse erzielt man, indem man den Stoff im noch feuchten Zustand auf zweiter Stufe bügelt. Bei Verwendung eines Dampfbügeleisens reicht auch die erste Stufe.
  • Um Flecken zu entfernen, sollte man einen sanften Fleckentferner benutzen. Am besten ist Gallseife oder ein spezieller Fleckentferner auf Seifenbasis. Auf keinen Fall Benzin oder ähnlich aggressive Mittel verwenden, denn diese greifen das Gewebe an. Vor der Verwendung sollte man den Fleckentferner auf der Innenseite des Textils auf Farbechtheit überprüfen. Viskosestoffe bleichen bei falscher Behandlung leider schnell aus, denn sie halten die Farbe weniger gut als Baumwolle oder Seide.

Herstellung

Viskosefaser wird in einem chemischen Verfahren aus Zellulose gewonnen. Der Zellstoff wird mit einem chemischen Aufschlussverfahren mittels Sulfat oder Sulfit aus den pflanzlichen Fasern gelöst und ist auch der Grundstoff für die Herstellung von Papier und Cellophan. Das Holz von Nadel- und Laubbäumen ist weltweit am gebräuchlichsten für die Gewinnung von Zellulose, daneben werden auch Bambus und andere pflanzliche Holzfasern verwendet. Für die Viskoseherstellung dient Buchen-, Fichtenholz oder Eukalyptus als Rohstofflieferant. Stark harzhaltige Hölzer werden für Viskose kaum verwendet.

Ist die Zellulose mittels Sulfat oder Sulfit aus den pflanzlichen Fasern herausgelöst, wird sie zunächst mit Natronlauge behandelt. Dadurch bildet sich Alkalizellulose, die wiederum in Verbindung mit Schwefelkohlenstoff das sogenannte Zellulose-Xanthogenat bildet. Durch weitere Vermengung mit Natronlauge entsteht eine zähflüssige Lösung, die man auch als viskos bezeichnet. Diese Viskose-Spinnlösung wird durch brauseartige Düsen ins Spinnbad gepumpt.

Dabei entstehen dünne Viskose-Filamente, die Ähnlichkeit mit echter Seide aufweisen und ebenfalls sogenannte Endlosfasern sind. Die einzelnen Filamente werden durch weitere Bearbeitungsschritte gestreckt und zu Viskose-Filamentgarnen zusammengefasst. Durch zusätzliches Schneiden entstehen Viskose-Spinnfasern, die wiederum den kurzen Baumwollfasern ähneln.

Um den Viskosefasern ein ähnliches Aussehen wie Baumwolle zu verleihen, werden sie anschließend nachbehandelt, gebleicht und gewaschen. Bessere Gleiteigenschaften und eine glattere Oberfläche erhalten Viskosefasern durch das Auftragen der seifenähnlichen Substanz Avagen. Viskosefasern werden als Stapelfasern in Ballen von 250 bis 350 Kilogramm zur Weiterverarbeitung verkauft, während die Fäden auf Spulen von 1,5 bis zu 6 Kilogramm aufgewickelt werden. Die Fasern und Fäden werden im Folgenden weiterverarbeitet:

  • Garne aus Viskose-Spinnfasern werden meist zu Oberbekleidung und zu Bett- und Tischwäsche, Deko- und Möbelstoffen verarbeitet. Wegen ihrer hohen Saugfähigkeit kommen Viskosefaser-Garne auch für Unterbekleidungsstoffe und für Verbandsmaterialien in der Medizin zum Einsatz.
  • Viskose-Filamentgarne werden vor allem zu Stoffen für Kleider, Röcke und Blusen sowie Innenfutter verarbeitet.
  • Viskose-Kurzfasern finden als Beflockung für T-Shirts Verwendung.
  • Vliesstoffe aus Viskosefasern sind aufgrund der hohen Saugfähigkeit und Atmungseigenschaft in Hygiene- und Medizinprodukten gebräuchlich, z. B. als Feuchttücher, Wattestäbchen, Saugkern von Tampons, OP-Mäntel oder Kompressen.

Viskose mag zwar zu 100 % aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt werden, was die Anbauflächen verkleinert und den Einsatz von Pestiziden unnötig macht, doch die Gewinnung und Herstellung der Fasern geschieht mit Hilfe der hochgiftigen und gesundheitsschädlichen Stoffe Schwefelkohlenstoff und Schwefelwasserstoff. Im Gegensatz zu anderen Fasern lässt sich hier der Schaden für Tiere und Pflanzen allerdings eindämmen, indem die Stoffe im Produktionskreislauf verbleiben. Reine Viskose ohne Zusätze ist zudem kompostier- und recycelbar.

Modalfasern werden ähnlich wie Viskose hergestellt, allerdings wird hierfür nur Zellulose aus Buchenholz verwendet. Der Herstellungsprozess ist etwas abgewandelt, wodurch man eine höhere Faserfestigkeit und Robustheit erreicht. Modalfasern sind noch saugfähiger als Viskose und trocknen auch schneller, was Modal noch atmungsaktiver als Viskose macht.

Eine weitere Faser aus Zellstoff ist Tencel bzw. Lyocell. Diese beiden Namen sind Markennamen, die ein und dieselbe Faser bezeichnen, die von der österreichischen Lenzing AG hergestellt wird. Tencel wird in einem ähnlichen Verfahren wie Modal oder Viskose hergestellt, nur kommt man hier weitestgehend ohne giftige Lösungsmittel aus. Damit gelten Tencelfasern als umweltfreundlicher als Viskose oder Modal.

Herkunft und Entwicklung

Die Herstellung von Viskose nach dem Xanthogenat-Verfahren wurde 1892 von den britischen Chemikern Edward John Bevan und Charles Frederick Cross entwickelt und auch für die industrielle Verarbeitung umgesetzt. Die Beliebtheit der Viskose nahm stetig zu, da sich hier neue und günstigere Möglichkeiten im Vergleich zu Baumwolle oder Seide auftaten. Im Jahr 1908 baute der deutsche Unternehmer Hugo Küttner in Pirna ein Kunstseidenwerk und begann mit der Herstellung von kunstseidenen Fasern, zuerst nach dem Chardonnet-Verfahren und schließlich ab 1910 nach dem erfolgreicheren Viskose-Verfahren. Ein Jahr später gründeten die Unternehmer Max Fremery und Johann Urban die Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG in Elberfeld bei Wuppertal. Zuvor hatten sie die Fürst Guido Donnersmarckschen Kunstseiden- und Acetatwerke in Sydowsaue bei Stettin übernommen und das Viskose-Verfahren weiterentwickelt.

Heute sind die größten Viskose-Produzenten die indische Grasim Industries Ltd., die indonesische South Pacific Viscose und die österreichische Lenzing AG. Letztere setzt täglich ein Volumen von 170 Tonnen Viskose um. Die Lenzing AG ist zudem der weltgrößte Hersteller an Viskose-, Modal- und Tencelfasern zusammengenommen.