Wolle

Wolle kam zum ersten Mal vor über 8000 Jahren für die Produktion von Textilien zum Einsatz und hatte schnell das gebräuchliche Leinen ersetzt. Auch heute kann Wolle noch mit Baumwolle und Kunstfasern Schritt halten. Besonders hochwertige Anzüge sind zum Beispiel aus superfeinem Schurwoll-Garn gewoben. Wolle ist sehr wärmend, zudem atmungsaktiver und saugfähiger als Baumwolle, nimmt Gerüche oder Schmutz kaum an und kann Schweiß leicht neutralisieren.

Materialeigenschaften

Die Wollfaser ist gröber als andere Textilfasern, dafür aber viel elastischer. Wolle hat zudem eine geringe Dichte, wodurch je nach Wollart sehr leichte Stoffe produziert werden können. Da sich die Fasern der meisten Wollarten kräuseln oder wellen, bleiben sie selbst bei locker gesponnenen Garnen gut aneinander haften. Auch locker gewebte oder gestrickte Stoffe ergeben ein fließendes, aber trotzdem stabiles Ergebnis. Wollfasern lassen sich zudem sehr leicht färben und sind dadurch farbechter als beispielsweise Leinen.

Die wichtigsten Eigenschaften von Wolle sind:

  • Sehr gut wärmend. Wollwaren bestehen zu 85 % aus Luft und nur zu 15% aus Fasern. Dadurch kann die Körperwärme gut zwischen den Fasern gespeichert werden.
  • Wolle ist viel atmungsaktiver und saugfähiger als Baumwolle.
  • Wolle nimmt kaum Schmutz oder Gerüche an. Nach kurzem Lüften riecht reine Wolle wieder neutral.
  • Wolle ist fast knitterfrei.
  • Wolle ist sehr farbbeständig.
  • Wollfasern sind antistatisch, das heißt es entsteht keine unangenehme Aufladung durch Reibung.
  • Das Material ist schwer entflammbar. Wolle verkohlt nur, verbrennt aber nicht, weshalb Wolle auch für Sitze von Autos und Flugzeugen verwendet wird.
  • Neigt zu Fussel- und Knötchenbildung. Lässt sich durch Wollkämme oder Wollrasierer entfernen.
  • Das beste Material für Socken ist Wolle. Aufgrund der Atmungsaktivität und Saugfähigkeit sind Wollsocken am besten für das Fußklima, gerade wenn man oft geschlossenes Schuhwerk trägt. Es gibt auch weiche, leichte Socken aus Schurwolle, die nicht kratzen und angenehm zu tragen sind.
  • Wolle kann Schweiß zudem chemisch binden und neutralisieren. Dadurch entwickeln sich sogar natürliche Antibiotika darin, die gegen Erkältungen helfen können: Länger getragene Wollklamotten kann man sich bei einer Grippe als Halswickel umlegen und so die Heilung unterstützen.

Die verschiedenen Wollarten der zahlreichen Schafrassen oder auch anderer Tiere haben zudem unterschiedliche besondere Eigenschaften. Einige sind besonders wärmend, andere besonders weich.

  • Schafwolle ist die gebräuchlichste unter den Wollarten, weil es zahlreiche Wollschaf-Rassen mit unterschiedlicher Wollqualität gibt. Die gebräuchlichsten Einteilungen sind:
  • Kurkwolle: Stammt von der ersten Schur eines Schafes und ist oft noch sehr weich.
  • Merinowolle: Ist besonders hochwertig, weich und lässt sich gut verspinnen. Die Wolle stammt von den Merinoschafen. Oftmals wird diese Wolle auch nach ihrer Herkunft benannt, z. B. Kapwolle für das Fell von südafrikanischen Merinoschafen.
  • Crossbredwolle: Stammt von Schafen, die eine Kreuzung aus Merino- und normalen Wollschafen sind.
  • Cheviotwolle: Stammt von Cheviotwollschafen, zu denen zum Beispiel das Shetlandschaf gehört.
  • Mohair ist das Haar der Angoraziege. Es ist kaum gekräuselt, dichter als Schafwolle und ergibt besonders leichte, weiche Gewebe oder Strickstücke.
  • Angorawolle ist die Wolle aus dem Fell des Angorakaninchens. Sie hat die gleichen Eigenschaften wie Mohair.
  • Alpakawolle stammt vom Alpaka, einer Kleinkamelart ähnlich dem Lama und es gibt sie in natürlichen Farbtönen von Weiß über Braun bis Schwarz. Diese Wolle wärmt fünfmal besser als normale Schafwolle oder andere tierische Fasern. Zudem enthält die Wolle kein Lanolin, also Wollfett, wodurch sie auch für Wollallergiker geeignet ist.
  • Kaschmirwolle ist aus dem glänzenden Fell der langhaarigen Kaschmirziege, die aus der kalten Gebirgsregion Kaschmir zwischen China, Indien und Pakistan stammt. Die feinen Haare ergeben ein hochwertiges Garn, das leichte, glatte Stoffe hervorbringt.
  • Yakwolle stammt vom gleichnamigen Yak, einem dichtbehaarten Rind, das in Tibet zu Hause ist. Das dichte Fell ist sehr grob, dafür aber stark wärmend.
  • Kamelhaar ist weich, glatt und fein und ergibt hochwertige Textilien. Besonders fein ist das Fell von mongolischen Kamelen.

Pflegehinweise

Die Pflegehinweise richten sich danach, aus welcher Wollart das Gewebe hauptsächlich besteht. Bei den meisten Wollarten werden zusätzlich Kunstfasern ins Garn gewirkt, sodass hier andere Pflegehinweise gelten als bei reiner Wolle.

  • Kleidung aus reiner Wolle braucht man eigentlich gar nicht waschen, sondern nur ausklopfen, auslüften und Schmutz ggf. abbürsten. Die natürliche Selbstreinigung von Wolle führt dazu, dass Gerüche wie Schweiß nicht gebunden werden. Von Zeit zu Zeit sollte man Wolle allerdings waschen, um Staub und Hautschuppen zu entfernen. Wolle neigt durch die Art seiner Fasern leicht zum Verfilzen, was besonders in Kombination mit warmem Wasser und Reibung passiert. Wolle verträgt daher keine hohen Waschtemperaturen in der Maschine.
  • Sachen aus reiner Wolle sollten immer per Hand gewaschen werden: Weichen Sie dazu das Wollstück komplett in warmes Wasser mit etwas Seife ein. Die Temperatur darf durchaus bei 50 Grad liegen, das Wollstück darf allerdings so wenig wie möglich bewegt werden. Schrubben oder Wringen verträgt Wolle gar nicht.
  • Wolltextilien aus Mischgarnen, z. B. mit Baumwolle oder Polyacryl, vertragen die Maschinenwäsche schon besser. Aber auch hier sollte man nur im speziellen Wollwaschgang oder Handwaschgang und mit Wollwaschmittel waschen. Je nach Stoffqualität kann man Wolltextilien aus Mischgarn bei bis zu 40 Grad waschen, besser sind jedoch 30 Grad.
  • Niemals Weichspüler für Wolle verwenden, da dies der Faserstruktur schadet. Die Wolle verfilzt schneller und verliert an Elastizität.
  • Liegend an der Luft trocknen. Nass ist Wolle sehr schwer, deshalb ist Hängen nicht gut für die Form des Textils.

Herkunft und Entwicklung

Zu Beginn der Wollnutzung vor 8000 Jahren wurde zunächst nur das Haar-Vlies der Wildschafe als Decke oder für Bekleidung verwendet. Durch eine lange Selektion und Züchtung wurden die Haarschafe schließlich zu Wollschafen domestiziert. Die Haare wurden zu einem dichten Vlies und der Fellwechsel blieb aus, sodass die Tiere geschoren werden konnten. Zudem ging die natürliche Haarfärbung zugunsten einer hellen Wolle verloren, die sich nach Belieben einfärben ließ. Aus Vorderasien stammen die ältesten Hinweise auf eine Nutzung von Wollschafen. Ziegen wurden abgesehen von der Angora-Ziege kaum umgezüchtet.

Zu Beginn der Bronzezeit hatten sich die Hausschafe für die Wollnutzung schließlich auch in Europa durchgesetzt. Zuvor waren ausschließlich pflanzliche Fasern, vor allem Flachs, für die Textilherstellung verwendet worden. Wolle hatte Leinen bald weitestgehend zurückgedrängt. Der Erfolg der Wolle im europäischen Raum lässt sich wohl auf die besser wärmenden Eigenschaften und die leichtere Herstellung zurückführen. Im Gegensatz zu pflanzlichen Fasern wie Leinen kann Wolle kardiert und anschließend verfilzt werden. Dadurch erhält man bereits einen festen Walkstoff, der ohne Garnverspinnung auskommt. 

England entwickelte sich ab dem späten Mittelalter schnell zum Vorreiter in der Wollproduktion. Wollwaren waren das wichtigste Exportgut. Neue Produktionstechnologien führten im 18. und 19. Jahrhundert zu einem weiteren Aufschwung. Bald wurde auch analog Baumwolle mit Importen aus den Kolonien produziert.

Schafe wurden bis Anfang der 1950er Jahre auch in Deutschland hauptsächlich für den Wollertrag gezüchtet, heute dienen sie vor allem der Landschaftspflege, zum Beispiel der Erhaltung von Deichen und Heidelandschaften, und werden für die Fleischerzeugung gezüchtet. Heute steht Wolle als Textilfaser hinter Baumwolle und chemischen Fasern.

Herstellung

Gewinnung

Um Wolle zu gewinnen, werden die Schafe zum Frühjahr geschoren oder das Fell von Ziegen, Kaninchen oder anderen Schafalternativen wird ausgekämmt.

Man unterscheidet Wolle nach ihrer unterschiedlichen Herkunft:

  • reine Schurwolle bzw. Kammwolle vom lebenden Tier
  • Reißwolle aus Alttextilien
  • Gerberwolle aus den Fellen geschlachteter Tiere, fällt bei der Lederherstellung an. Diese Wolle ist minderwertig, da sie durch das Gerbeverfahren brüchig und spröde wird.
  • Sterblingswolle aus dem Fell verendeter Tiere

Für die Kleidungsherstellung wird nur die Schurwolle von lebenden Tieren verwendet, da sie die höchste Qualität aufweist.

Verarbeitung

Die weitere Verarbeitung richtet sich nach dem gewünschten Ergebnis. Die Rohwolle wird entweder

  • verfilzt bzw. gewalkt
  • zu Garn gesponnen
  • und gewebt, gestrickt, geflochten oder geknüpft.

Filzen

Das Filzen ist wohl die älteste Verarbeitungsmethode von Wolle. Dabei wird Wolle gereinigt, gekämmt, gefärbt und zu Vlies aufbereitet. Anschließend werden die Fasern durch mechanische Bearbeitung fest und ungeordnet miteinander verbunden. Die schuppenartige Oberfläche der Schafhaare führt dazu, dass sie sich dauerhaft ineinander verhaken. Beim Nassfilzen kommen warmes Wasser oder Wasserdampf und Lauge zusätzlich zur Bewegung zum Einsatz. Das Material schrumpft dabei stark ein. Das Verfilzen von Wolle kennt vermutlich jeder, dem schon einmal ein Wollpullover durch zu heißes Waschen mit Waschmittel und der Waschbewegung der Maschine eingelaufen bzw. verfilzt ist. Beim Trocken- oder Nadelfilzen kommen spezielle Nadeln zum Einsatz, die die Fasern miteinander verwirken. Nadelfilz lässt sich auch aus Haaren und Fasern ohne widerhakende Oberfläche herstellen. Daraus entsteht ein sehr festes, steifes Textilstück, das zudem Wärme gut speichert, Kälte und Schall dämpft und Feuchtigkeit abweist. Aus Filzwolle werden für den Heimbedarf vor allem Hüte, Hausschuhe, Mäntel, Westen, Schals und Dekorationen sowie Möbelgleiter und Geräuschdämmung hergestellt.

Spinnen

Die Rohwolle wird zuerst schonend gereinigt und gekämmt, um Staub, andere Fasern und Schmutz zu entfernen. Anschließend wird sie gefärbt oder gebleicht und zu Kammgarn versponnen. Je nachdem, wie dick das Garn werden soll, werden Fasern aus der Rohwolle gezupft und zu einem Garn verzwirnt, der um einen Stab gewickelt wird. Die Spindel dreht sich dabei ständig. Das mechanische Spinnen begann mit den ersten Spinnrädern im 13. Jahrhundert. Hierbei wurde zwar immer noch per Hand gezupft und verzwirnt, doch das Rad konnte besser gedreht werden als die Handwirtel. So ließ sich einfacher und schneller Garn spinnen. Im 18. Jahrhundert wurden dann die ersten Spinnmaschinen entwickelt. Das Aufkommen der Dampfkraft gab dem Spinngewerbe nochmals Aufschwung, allerdings schon parallel zum Spinnen von Baumwollgarnen. Heutzutage funktioniert das Verarbeiten der Wolle von der Rohwolle zum fertigen Garn vollautomatisch.

Die neuesten Spinnmaschinen können auch so feine Garne herstellen, dass mehrere hundert Meter des Garns insgesamt nur ein Gramm wiegen. Diese superfeinen Garne aus reiner Schurwolle tragen Bezeichnungen wie "Super 100", "Super 120" oder inzwischen sogar "Super 210" und werden zu sehr teuren, hochwertigen Stoffen für Anzüge verarbeitet. Die Feinheit des Garns sollte auf dem Label des Stoffherstellers angebracht sein.

Durch die Zugabe von anderen Fasern, vor allem Kunstfasern wie Acryl, Nylon oder Polyester, erlangen die Garne besondere Eigenschaften. Durch künstliche Fasern werden Wollgarne beispielsweise belastbarer und verfilzen nicht so schnell wie etwa Sockenwolle. Sockenwolle besteht meist zu 75 % aus Schurwolle und zu 25 % aus Polyacryl. Damit können Strickstücke aus Mischgarnen  auch im Schonwaschgang der Waschmaschine gewaschen werden.

Die fertigen Wollgarne werden anschließend entweder

  • zu Gewebestoffen gewebt, z. B. dem groben Wollstoff Tweed
  • zu Strickstoffen verarbeitet
  • zu Teppichen geknüpft
  • als Näh- und Strickgarn für den privaten Bedarf bereitgestellt